Siemens Gigaset WLAN CameraErfahrungsbericht:
Siemens Gigaset WLAN Camera

Die Gigaset WLAN Camera von Siemens ist, wie der Name schon sagt, eine Kamera mit drahtloser Netzwerk-Anbindung entsprechend dem Standard IEEE 802.11g mit bis zu 54 MBit/s, zusätzlich auch mit einem LAN-Anschluss 10/100 MBit/s, der typischerweise zur Konfiguration benutzt wird. Das Gerät wurde bis Mitte 2006 in Taiwan hergestellt und ist baugleich mit der Kamera Allnet ALL2210 (mit dem Allnet-Typ ALL2200 existiert auch eine Variante ohne WLAN). Das Innenleben stimmt trotz äußerlicher Unterschiede mit dem Typ WVC54G von Linksys überein.

Gut gemacht:

  1. Das Setup-Programm auf der mitgelieferten CD funktioniert selbst dann, wenn das lokale Subnetz (z.B. 192.168.0.*) von der Liefereinstellung der Kamera abweicht (192.168.2.*), ohne dass man dafür erst mühsam die Netzwerk-Eigenschaften des PC umkonfigurieren muss.
  2. Ein Fuß gehört zum Lieferumfang. Mit Zwischenstücken kann er auch um 90° versetzt montiert werden, so dass die Kamera beispielsweise aus einem Fenster sehen kann, wenn der Fuß am senkrechten Fensterrahmen angeschraubt wird.
  3. Der eingebaute Linux-Rechner besitzt einen HTTP-Server zur Administration und zum Ansehen des Video-Streams. Bis zu vier Benutzer können das Live-Video gleichzeitig ansehen. Der Stream lässt sich übrigens unter mms://<Kamera-IP>/img/video.asf auch direkt mit dem Windows Media Player öffnen, ohne den Umweg über die Administrations-Startseite mit ihrem Active-X-Control zu gehen, das nur im Microsoft Internet Explorer funktioniert; merkwürdigerweise ist das in der Dokumentation nicht erwähnt.
  4. Ein beliebiger Text sowie auch Datum und Uhrzeit lassen sich optional einblenden. Seit der Firmware-Version 1.27 wird dabei auch die automatische Sommerzeit-Umschaltung unterstützt. (Vorsicht: Ein Firmware-Upgrade erfordert ein Neukonfigurieren via LAN mit dem Setup-Utility!)
  5. Eine Bewegungserkennung ist eingebaut und kann eine E-Mail mit einem kurzen ASF-Video generieren (ca. 80 KB für zwei Sekunden).
  6. Der WLAN-Adapter unterstützt alle gängigen Verschlüsselungsverfahren, so dass die Kamera in ein sicheres WLAN eingebunden werden kann.
  7. Die LEDs an der Frontseite lassen sich abschalten, um Spiegelungen etwa an einer davorliegenden Fensterscheibe zu vermeiden - da hat sich jemand doch tatsächlich etwas dabei gedacht.

Schlecht gemacht:

  1. Die Kamera kann keine Standbilder liefern und ist somit nicht direkt als Webcam geeignet. Um regelmäßig ein JPG-Bild ins Web hochzuladen, ist eine zusätzliche Software wie z.B. VisionGS erforderlich - und natürlich ein PC, der dafür dauernd läuft. VisionGS produziert durch die dauernde Decodierung des MPEG4-Datenstroms allerdings eine deutliche CPU-Last auf dem PC und ebenso eine Dauerlast im WLAN, selbst wenn man z.B. nur stündlich ein JPG-Bild erzeugen möchte. Eine Notlösung ist, VisionGS regelmäßig per Taskplaner o.ä. zu starten und damit nach etwa einer Minute auch wieder automatisch zu beenden.
  2. Das Objektiv sitzt viel zu locker. Eine leichte Berührung genügt bereits, um die Schärfe unbeabsichtigt zu verstellen. Ein etwas schwergängigeres Gewinde wäre wünschenswert. (Notlösung: Einen schmalen Schnipsel aus schwarzem Papier ins Gewinde mit einschrauben.)
  3. Die maximale Auflösung von 640 x 480 sollte man besser nicht verwenden, da die Kamera dabei unscharfe und verwaschene Bilder liefert (von der wesentlich höheren Streaming-Bitrate einmal abgesehen). 320 x 240 ist meist sinnvoller.
  4. Während für die Bewegungserkennung ein bestimmter Bildausschnitt wählbar ist, ist das für die automatische Helligkeitssteuerung nicht der Fall. Ein größeres dunkles Objekt im Bild, etwa ein Baum vor dem Fenster, führt dazu, dass die Automatik eine zu große Helligkeit für die eigentlich interessierenden Bildteile wählt. Zwar kann man die Belichtung auf Manuell umstellen, aber bei wechselnden Lichtverhältnissen ist das auch nicht optimal.
  5. Die Video-Bitrate orientiert sich am langsamsten Zuschauer. Wenn einer via DSL zusieht und ein anderer im lokalen Netzwerk, reduziert sich auch für den LAN-Benutzer die Bitrate um mehr als die Hälfte auf die DSL-Upload-Geschwindigkeit von z.B. 128 kBit/s. Für das gleichzeitige Codieren in mehreren Bitraten dürfte der Prozessor in der Kamera wohl nicht leistungsfähig genug sein.
  6. Wenn ein Bildteil sehr viele feingliedrige Details enthält, z.B. das Astgewirr eines Baums, dann verschwimmen Teile davon zu einer einfarbigen homogenen Masse, da die MPEG4-Kompression hier nur eingeschränkt funktioniert.
  7. Die Kamera besitzt im Infrarotbereich jenseits des für das menschliche Auge wahrnehmbaren Spektrums noch eine deutliche Empfindlichkeit. Eine eigentlich dunkle heiße Asphaltstraße erscheint deshalb im Kamerabild unnatürlich hell.
  8. Die Sprache von Setup-Utility und Kamera-Software ist nur zwischen Englisch und Französisch umschaltbar - etwas überraschend bei einem Lieferanten wie Siemens. Immerhin gibt es in der gedruckten Anleitung einen deutschen Abschnitt, dieser nennt allerdings eine längst nicht mehr existente 0190-Nummer für die telefonische Beratung. Siemens hat zwar auf seiner Webseite auch ein Forum für Benutzer eingerichtet, antwortet dort aber selbst offenbar nicht auf Fragen; vermutlich hält man die gegenseitige Beratung der Anwender für kompetenter.
  9. Die Kamera hängt sich alle paar Wochen auf und muss kurz vom Netz getrennt werden, damit sie wieder ansprechbar ist. Für einen autonomen Betrieb an einem schlecht zugänglichen Ort ist sie somit kaum geeignet (Notlösung: Zeitschaltuhr, die die Stromversorgung nachts abschaltet).
  10. Trotz offensichtlicher Mängel in der noch aktuellen Firmware 1.27 gibt es keine Bugfixes.

Achtung - Sicherheitsproblem

In der Firmware 1.27 lässt sich das Gerät per Telnet (Port 23) und FTP (Port 21) ansprechen, ein Login als "root" funktioniert ohne Passwort. Mit exit wird die Telnet-Session wieder beendet. Unter anderem sind folgende Linux-Kommandos implementiert, wobei der Abbruch z.B. bei ping wie gewohnt mit der Tastenkombination Strg+C möglich ist:

cat
date
df
du
echo
exit
free
hostname
ifconfig
kill
killall
ls
lsmod
mount
nslookup
ping
ps
pwd
reboot
route
set
uptime
whoami

Das Ändern des leeren root-Passworts mit passwd ist nicht möglich. Aus der Datei system.conf sind u.a. die WEP-Keys der WLAN-Verbindung direkt ersichtlich. Man sollte die Kamera deshalb nur hinter einer Firewall bzw. einem Router mit entsprechend eingeschränktem Port-Forwarding betreiben.

Fazit:

Vergleich mit Level One WCS-2030

Die kompakte Webcam WCS-2030 von Level One liegt im gleichen Preisbereich wie die Siemens-Kamera und unterscheidet sich von dieser technisch unter anderem wie folgt:

Weitere Informationen zur Gigaset WLAN Camera