BLOGBlog 2010

20.12.10 Kreationismus-Glaube in USA verbreitet

Nach einer Anfang Dezember 2010 telefonisch durchgeführten Gallup-Umfrage glauben 40 % der US-Amerikaner, dass Gott die Menschen in ihrer heutigen Form vor maximal 10.000 Jahren geschaffen hat (Mitte 2008 waren es noch 47 %). 38 % denken, dass sich die Menschen unter Gottes Führung entwickelt haben. Nur 16 % sind der Aufassung, dass sich die Entwicklung der Menschen ohne Mitwirkung von Gott vollzog - deren Anteil stieg in den letzten zweieinhalb Jahren um 2 %.

05.12.10 Öffentlich-rechtliche Grundversorgung?

Der schwere Unfall, der sich während der Unterhaltungs-Sendung "Wetten, dass" des ZDF gestern abend ereignete (jemand hatte versucht, mit Sprungfedern ein Auto zu überspringen), wäre eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, was die Väter des Rundfunk-Staatsvertrages mit der Grundversorgung durch öffentlich-rechtlich finanzierte Sender eigentlich beabsichtigt hatten und was besser den (von mir ohnehin weitgehend gemiedenen) privaten Anbietern überlassen werden sollte.Latein

20.11.10 Latein ist Zeitverschwendung

Als einer, der mehr oder weniger gezwungenermaßen Latein in der Schule lernen durfte, kann ich es leider nur bestätigen: Latein lernen nützt nur dem Latein, aber nicht der leichteren Erlernbarkeit anderer Sprachen, wie eine von Spiegel Online zitierte Untersuchung offenlegte. Wer Spanisch sprechen will, sollte einfach ohne Umwege Spanisch lernen, und selbst bei der Unterhaltung mit italienischen Freunden ist Latein eher wenig behilflich. Latein ist tot, und dabei sollte man es endlich belassen.

12.11.10 Den perfekten Browser gibt es nicht

Es ist nicht einfach, sich für einen bestimmten Web-Browser zu entscheiden. Jeder Versuch, wieder mal alle durchzuprobieren, zeigt erneut, dass keiner perfekt ist.

- Opera: Manchmal Pixelsalat auf der Seite, wenn per Mausrad gescrollt wird; Druckvorschau fehlerhaft (Scrollen ganz nach unten geht nicht), viele andere alte Bugs, die nie behoben wurden. Etliche Webseiten verweigern aufgrund fehlerhaft implementierter Browser-Weichen die Zusammenarbeit mit Opera. Anderseits gibt es einen eingebauten HTML-Editor und sonstige Features, die kein anderer Browser bietet.
- Chrome: Wie Opera sehr schnell, aber keine Druckvorschau, Kopf-/Fußzeilen beim Drucken nicht abschaltbar, kein RSS-Reader.
- Firefox: Vergleichsweise sehr langsamer Start, schafft den Acid3-CSS-Test nicht mal annähernd.
- Internet Explorer: Regelmäßige Sicherheitslöcher u.a. wegen des Active-X-Konzepts, beim Acid3-Test weit abgeschlagen.

Man kommt somit leider kaum umhin, mehrere Browser installiert zu haben. Jeder hat seine Stärken - und leider auch Schwächen.

01.11.10 Massen sind nicht immer Mehrheiten

Selbst wenn Zehntausende gegen ein Projekt wie Stuttgart 21 demonstrieren (den längst überfälligen Umbau des Sack- zum Durchgangs-Bahnhof), spiegelt diese Zahl nicht automatisch Mehrheiten wieder: Gegen etwas zu sein aktiviert mehr Menschen als für etwas bereits Geplantes. Im Web 2.0 mit Facebook, Twitter und YouTube ist es so einfach wie nie, Tausende zu Aktivismus zu motivieren. Aber demokratische Mehrheiten kommen anders zustande, beispielsweise durch Wahlen in einer parlamentarischen Demokratie. Sonst traut sich kaum noch jemand, ein größeres Projekt überhaupt nur anzudenken: Bis heute gibt es zum Flughafen München keinen halbwegs schnellen Zubringer, nachdem der Transrapid politisch abgesägt wurde, und alte Kohlekraftwerke laufen weiter, weil gegen jedes Solar- oder Windkraftwerk sofort eine Bürgerinitiative gegründet wird, die das Genehmigungsverfahren auf unbestimmte Zeit verzögern kann.

31.10.10 Einen Stein ins Rollen gebracht

Man mag über Thilo Sarazzin und sein Buch "Deutschland schafft sich ab" denken, wie man will (die meisten, die es lautstark kritisieren, haben es noch nicht mal gelesen): Jedenfalls hat der Autor einen Stein ins Rollen gebracht. Kaum eine Talkshow und kaum eine Zeitung, in der es nicht um Integration von Migranten geht. Dass Sarrazin trotzdem aus der SPD ausgestoßen wurde, kann er angesichts seines Erfolgs wohl verschmerzen.

11.10.10 Künstliche Schranken bei Webseiten

BrowserWenn man mit einem nicht ganz so weit verbreiteten Web-Browser bestimmte Webseiten besucht, erhält man manchmal die Meldung, dass der Browser nicht unterstützt werde, und man möge doch bitte den Internet Explorer Version soundsoviel oder den Firefox verwenden. Manchmal erhält man sogar den völlig irreführenden Hinweis, der Browser sei veraltet - obwohl doch die allerneueste Version eingesetzt wird. Oft hilft es dann, wenn man z.B. den Opera-Browser so einstellt, dass er sich gegenüber dem Webserver als Firefox ausgibt.

Der Grund dafür sind gewöhnlich fehlerhaft implementierte, meist sogar völlig überflüssige Browser-Weichen, die von engstirnigen Web-Designern in ihrem Javascript-Code benutzt werden, um nicht standard-konforme Objekte und Eigenschaften zu verwenden. Die heute aktuelle Browser-Generation stellt weitgehend kompatible Scripting- und CSS-Methoden zur Verfügung, die alternativ zu früheren Methoden benutzt werden können, und dort, wo es doch noch kleine Unterschiede gibt, sollte man nicht etwa den Browser-Typ, sondern das Vorhandensein der benötigten Objekte abfragen.

28.09.10 Wikipedia und seine Macher

Kein Zweifel: Wikipedia stellt eine wichtige Informationsquelle zu unterschiedlichsten Themen dar. Was allerdings tatsächlich auf den offiziellen Seiten erscheint, wird von ener vergleichsweise kleinen Zahl gegenseitig ernannter Administratoren kontrolliert. Ein gutes Beispiel dafür ist die merkwürdige Geschichte des Gebäudes World Trade Center Nr. 7, das am 11. September 2001 zerstört wurde. In solchen Fällen liest sich die Diskussion um die Entstehung des Wikipedia-Artikels oft viel interessanter als der Artikel selbst.

22.09.10 Rundfunk-Steuer

Steuer müßte man eigentlich eine Gebühr nennen, die unabhängig von der Inanspruchnahme einer Leistung eingefordert wird. Die rheinland-pfälzische Staatskanzlei hat den Entwurf für den 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag veröffentlicht: Danach müssen nicht nur Haushalte, sondern auch Betriebe Rundfunk-Gebühren unabhängig davon zahlen, ob ein Empfang tatsächlich stattfindet oder nicht.

Große Betriebe haben die größere Lobby und werden bevorzugt: Bei einem Ein-Mann-Unternehmen fällt ein Drittel der Normalgebühr an (was etwa der bisherigen Radiogebühr entspricht, die es dann nicht mehr gibt), bei 20.000 Mitarbeitern ist der Pro-Kopf-Beitrag dagegen nur 0,75 % eines Beitrags. Allerdings ist für jedes auch nur manchmal gewerblich genutzte Kraftfahrzeug sowie auch für jedes Hotel- und Gästezimmer zusätzlich ein Drittel des Normalbeitrags zu entrichten. (Schwacher Trost: Für Betriebe, die sich innerhalb einer Wohnung befinden, wird kein zusätzlicher Beitrag fällig; Ausnahmeregelungen gelten auch für gemeinnützige Einrichtungen, Schulen, Polizei, Feuerwehr und - natürlich - für die Runfunksender selbst.)

Insgesamt ist die geplante Regelung erneut ein Beleg dafür, dass die Politik aus Interesse an der eigenen Meinungs-Vermarktung die Sender mit einer gut gepolsterten Finanzierung ausstattet, ohne sich an die längst überfällige Frage heranzuwagen, wie viele Programme und was für Inhalte im Rahmen einer zwangsfinanzierten gesetzlichen Grundversorgung vertretbar sind.

20.09.10 Internet Explorer 9 Beta

IE9Bei aller Lobhudelei, die manche Computer-Zeitschriften und Online-Dienste über die Beta-Version 1 des IE9 von Microsoft verbreiten, scheint etwas mehr Zurückhaltung angebracht. Nach einer schier endlosen Installation, die nicht wie bei anderen Browsern einige Sekunden, sondern Minuten dauert, muss erst mal Windows neu gestartet werden. Dann muss man leider feststellen, dass bestimmte CSS-Eigenschaften nicht oder instabil funktionieren: Das absolute Positionieren von Elementen mittels Objekt.style.left/top klappt unter irgendwelchen Randbedingungen nicht, Frames ignorieren die per CSS eingestellte Font-Familie und so weiter. Zugegeben, es ist Beta 1 - aber Chrome, Opera oder Firefox sind jedenfalls schon deutlich weiter.

14.09.10 Lieblings-Programme

Manchmal werde ich gefragt, welche Software ich für die wichtigsten Aufgaben einsetze. Die am häufigsten benutzten Programme sind:

Das ist natürlich eine völlig subjektive Auswahl, zugeschnitten auf ganz individuelle Bedürfnisse.

31.08.10 Google Mail: Wichtige Mails zuerst

Google Mail führt eine neue Funktion ein: In der Nachrichtenliste des Web-Dienstes erscheinen die Mails ganz oben, von denen Google glaubt, sie seien "wichtiger" als andere. Google nutzt dafür einige Anzeichen, wie etwa: Der Absender steht im Adressbuch, oder man hat ihm früher schon mal geantwortet. Aber ist das nicht in Wirklichkeit ein Zeichen der Hilflosigkeit, nur weil man täglich viel mehr Mails bekommt, als man innerhalb von acht Stunden wirklich lesen oder gar beantworten kann? Wenn das so ist, sollte man doch erst mal versuchen, die Spam-Filterung zu verbessern, unnötige Newsletter abzubestellen und auch die Kollegen bitten, einem nicht wegen jeder Kleinigkeit per CC-Feld eine Kopie aller ihrer Mails zu senden. Die Reihenfolge der Bearbeitung von Mails wird am eigentlichen Problem, nämlich der Mail-Anzahl, jedenfalls nichts ändern.

26.08.10 Streaming per H.264-Codec: Ein faules Ei

Offenbar gezwungen durch die WebM-Initiative von Google, Opera, Adobe und anderen hat jetzt MPEG LA, der Urheber des für Streaming-Videos bisher überwiegend benutzten H.264-Standards, zugestanden, nun doch dauerhaft keine Lizenzgebühren für den Codec zu erheben - allerdings nur für "kostenlose Streaming-Inhalte". Das bedeutet offensichtlich, dass doch wieder Gebühren fällig werden, wenn ein Download mit späterer Wiedergabe der Datei stattfindet (das wäre kein Streaming) oder wenn der Anbieter ein Video nur gegen Entgelt zur Verfügung stellt, z.B. ein Verein seinen zahlenden Mitgliedern. Man kann nur hoffen, dass sich letzlich der WebM-Standard durchsetzen wird, der unter anderem auf dem quelloffenen VP8-Codec basiert.

14.08.10 Mossad-Agent freigelassen

Ein israelischer Geheimdienst-Agent vor einem deutschen Gericht? Das konnte sich hierzulande wohl niemand wirklich vorstellen. Uri Brodsky, der an den Vorbereitungen für das Attentat auf einen Hamas-Führer im Golf-Emirat Dubai beteiligt gewesen sein soll, wurde wenige Stunden, nachdem er aus Polen überstellt worden war, in Köln gegen Kaution freigelassen und kann unbehelligt ausreisen.

WLAN-Router von AVM04.08.10 WLAN-Erfassung zulässig

Zu meiner Anfrage, ob das Übermitteln von WLAN-MAC-Adressen und -SSIDs zusammen mit GPS-Koordinaten an Google (Streetview) und Apple (iPhone) mit dem Datenschutzgesetz vereinbar sei, antwortet das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht: "Ob es sich bei der MAC-Adresse um ein personenbezogenes Datum handelt, wird derzeit noch im Düsseldorfer Kreis - dem Gremium der obersten Aufsichtsbehörden für den Datenschutz im nichtöffentlichen Bereich - diskutiert. Selbst unter der Prämisse, dass dem so ist, sehen wir die Erfassung der MAC-Adresse nach derzeitigen Erkenntnissen auf der Grundlage von § 28 Abs. 1 Nr. 3 BDSG als gerechtfertigt an. Danach ist das Erheben, Speichern, Verändern allgemein zugänglicher Daten oder ihre Nutzung als Mittel für die Erfüllung eigener Geschäftszwecke zulässig, wenn nicht das schutzwürdige Interesse des Betroffenen an dem Ausschluss der Verarbeitung oder Nutzung gegenüber dem berechtigten Interesse der verantwortlichen Stelle offensichtlich überwiegt."

24.07.10 Briefkasten täglich leeren!

Die Deutsche Post ermahnt ihre Kunden in den neuen AGB, die Briefkästen täglich zu leeren, auch während des Urlaubs. Sie öffnet alle Briefumschläge vor der Zustellung, um eine Kopie des Inhalts für einen nicht näher definierten Zeitraum aufzubewahren, damit Polizei, Bundesnachrichtendienst oder Verfassungsschutz bei irgend einem Anfangsverdacht gegen Absender oder Empfänger die Briefe lesen können.

Phantansie? Keineswegs. Genau diese Regeln gelten für den neuen E-Postbrief-Service, bei dem gleichzeitig die feuchten Träume der Post Wirklichkeit werden, das normale Briefporto von 0,55 Euro auch für E-Mails verlangen zu können. Viele Bundesbürger haben sich schon angemeldet und damit diese Bedingungen anerkannt - Sie auch?

21.07.10 Apple sammelt WLAN-Daten

Kürzlich kam heraus, dass nicht nur Google mit seinen Streetview-Fahrzeugen die MAC-Adressen und SSID-Namen von WLAN-Basisstationen sammelte und mit GPS-Koordinaten verknüpfte, sondern auch Apple dieses völlig ungeniert und seit Jahren tut. Während jeder echte iPhone-Fanboy den schwammigen Geschäftsbedingungen bedenkenlos zustimmen wird, finden die Betreiber von WLAN-Basisstationen dies vermutlich weniger lustig, haben aber keinerlei Handhabe, etwas dagegen zu tun: Jeder iPhone-Benutzer, der "vergessen" hat, WLAN und Ortungsdienste abzuschalten, überträgt die WLAN-Daten nebst Koordinaten automatisch en passant an Apple. Man darf gespannt sein, ob die Datenschutz-Beauftragten von Bund und Ländern ihrem Auftrag gerecht werden.

06.07.10 Atombombe gegen Öl-Leck?

Wie der US-Sender CNN berichtet, könnte es noch 30 Jahre dauern, bis das leckgeschlagene Ölfeld im Golf von Mexiko leergelaufen ist - mit unabsehbaren Folgen für den Atlantik. Nach Untersuchungen, die russische Wissenschaftler per U-Boot durchgeführt haben, ist der Meeresboden in einem mehrere Quadratkilometer großen Bereich porös, das Schließen einzelner Lecks würde deshalb kaum helfen. Zwischen 1966 und 1981 hatte die damalige Sowjetunion mehrmals versucht, Lecks in Öl- und Gasquellen mit Hilfe von Nuklear-Sprengungen zu schließen - mit wechselndem Erfolg. Jetzt denkt man über ein ähnliches Vorgehen vor der Küste von Lousiana nach.

04.07.10 Rauchfrei in Bayern

Vor dem Meeting noch schnell einen Cappuccino im Cafe nebenan? Keine Chance, denn das Cafe ist eine "getränke-geprägte" Gaststätte, dort darf uneingeschränkt geraucht werden, und nach dem Cappuccino würde die ganze Kleidung nicht etwa nach Kaffee riechen, sondern nach Zigaretten-Qualm. Damit ist in Bayern jetzt aber Schluss: Die CSU, die ursprünglich ein konsequentes Anti-Qualm-Gesetz geschnitzt hatte, die aber nach einer nicht ganz optimalen Landtags-Wahl der Mut verlassen hatte, wird jetzt per Volksbegehren zur Vernunft gezwungen. Für andere Bundesländer zum Nachmachen empfohlen!

Sonne14.06.10 Wo geht die Sonne auf?

Die Universität Marburg befragte Schüler im Alter von 11 bis 15 Jahren aus sechs Bundesländern für den Jugendreport 2010 nach elementarem Grundwissen über die Natur. Nur 59 % wussten, dass die Sonne im Osten aufgeht, der Rest verteilte sich ziemlich gleichmäßig nach Norden, Süden und Westen. Ganze 20 % der Kinder wussten, dass Kühe keine H-Milch geben. Einfach trostlos.

10.06.10 Rundfunkgebühren für alle

Gestern haben die Ministerpräsidenten in Berlin ab 2013 eine so genannte Haushaltsgebühr als Ersatz für die bisherige gerätebezogene Rundfunkgebühr beschlossen. Dies war offensichtlich die Konsequenz aus den zahlreichen Verwaltungsgerichts-Urteilen gegen das Umdefinieren von PCs zu Rundfunkempfängern. Aber was ist wirklich neu?

1. Jetzt zahlt jeder Haushalt, egal ob Radio-/TV-Geräte vorhanden sind oder nicht.
2. Es gibt keine ermäßigte Radiogebühr mehr, nur die volle Radio- und TV-Gebühr.
3. Auch jeder Betrieb zahlt, egal ob Geräte vorhanden sind; bis 4 Mitarbeiter gilt 1/3 der Gebühr.

Was sich dagegen nicht ändert: Aufgrund der Zweitgerätebefreiung zahlte schon bisher jeder Haushalt nur eine Gebühr. Die so genannte Reform ist also nichts weiter als ein Rundumschlag zur Sicherung des Einkommens für einen aufgeblasenen öffentlich-rechtlichen Apparat, der uns statt einer Grundversorgung durch ARD und ZDF auch noch mit 3sat, Arte, BR-Nord, BR-Süd, BR-Alpha, Eins Extra, Eins Plus, Eins Festival, HR, KiKa, MDR, NDR, Phoenix, RBB, SWR, WDR, ZDF Infokanal, ZDF Theaterkanal, ZDFneo und so weiter berieselt. Aber daran hat sich Paul Kirchhof mit seinem von den Anstalten selbst in Auftrag gegebenen Gefälligkeits-Gutachten natürlich nicht herangewagt.

iPhone08.06.10 Apps statt mobiler Webseiten

Wenn ich ein Wort nicht mehr hören kann, ist es "App". Es ist die Kapitulation von Internet-Inhaltsanbietern vor dem Problem, standardkonforme Webseiten für unterschiedliche mobile Endgeräte mit relativ kleinen Displays bereitzustellen. Statt dessen dürfen sich iPhone- und Android-Benutzer für alles und jedes - von den Tagesnachrichten bis zum Fernsehprogramm - von jedem Anbieter getrennt eine "App" installieren. Apps sind proprietäre Programme für bestimmte Endgeräte, das genaue Gegenteil von Web-Standards, und sie passen perfekt zum Bestreben von Anbietern wie Apple, hundertprozentig zu kontrollieren, was der Anwender mit seinem Gerät tun darf und was nicht.

31.05.10 Horst Köhler tritt zurück

"Die Kritik geht so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen." Bundespräsident Köhler trat mit sofortiger Wirkung zurück, nachdem einige Politiker und Medien seine Äußerungen zu Bundeswehr-Einsätzen und dem Freihalten von Handelswegen irreführenderweise mit Afghanistan statt mit somalischen Piraten in Zusammenhang gebracht hatten. Weder die bewusste Fehlinterpretation noch der Rücktritt wären nötig gewesen.

25.05.10 Roland Koch tritt zurück

"Wir können Steuererhöhungen nur vermeiden, wenn wir die staatlichen Ausgaben entsprechend den Vorgaben der Schuldenbremse senken", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) noch vor wenigen Tagen. Und: "Die Dimension des Problems ist viel größer, als viele selbst in meiner Partei wahrhaben wollen. Wir leben in dramatischer Weise über unsere Verhältnisse. Das meiste Geld sparen Sie dadurch, dass Sie überall etwas sparen." Damit waren wohl auch die Themen Kinderbetreuung und Bildung gemeint. Koch befand sich dabei im öffentlichen Disput mit Kanzlerin Angela Merkel, die stets einschränkte, Sparen ja, aber nicht generell und überall. Angesichts des Schuldenstandes der Bundesrepublik Deutschland fragt man sich, ob Koch nicht doch recht haben könnte. Nun tritt er aus, wie es heißt, persönlichen Gründen von allen Ämtern zurück. (25.05.10)

16.05.10 Zwei Milliarden IPv4-Adressen ungenutzt

Von den Protagonisten einer schnellstmöglichen Einführung des Internet-Protokolls IPv6 wird gern angeführt, dass beim bisherigen IPv4 ein akuter Mangel an Adressen herrscht. Deshalb müsse man bei der IPv6-Einführung leider auch hinnehmen, dass es für eine sanfte Migration bisher keine Lösung gibt.

Netzwerk-SteckerDie Panikmache ist allerdings unangebracht; man möchte gar von Zweck-Pessimismus sprechen, da sich einige Hersteller mit neuen IPv6-Routern, Software-Upgrades oder Hosting-Angeboten eine goldene Nase verdienen könnten. Von den 256 IPv4-Bereichen der Größe /8 mit jeweils 16 Millionen Adressen sind im Mai 2010 immerhin 18 nicht alloziert (unallocated), 16 freigehalten (future use) und weitere 16 für Multicast-Anwendungen reserviert, die eigentlich nur UDP und kein TCP brauchen, das macht zusammen rund 20 % des IPv4-Gesamtraumes. Weitere 92 "Legacy"-Bereiche (36 %) wurden in der Internet-Anfangszeit Firmen, Behörden und Organisationen vorwiegend in den USA zugesprochen, die heute nur einen kleinen Teil davon tatsächlich nutzen und jetzt natürlich keine Lust haben, freiwillig etwas von ihrem Stück Kuchen abzugeben: Eine faire Gebühr für solch große IP-Bereiche würde vermutlich helfen.

Insgesamt dürfte also etwa die Hälfte des öffentlichen IPv4-Adressraumes ungenutzt sein, das entspricht etwa 2 Milliarden Adressen. Bei einem verantwortungsvollen Umgang würde man damit noch etliche Jahre auskommen: Nicht jedes Mobiltelefon mit Billigst-Vertrag benötigt unbedingt eine öffentliche IP-Adresse, ein NAT-Routing würde meist reichen. Und in einigen Jahren gibt es vielleicht ein IPv7, das einen schmerzfreien Übergang von IPv4 ermöglicht.

14.05.10 VoIP ist keine Alternative

Mit Hilfe eines PC, der mit der Cactus-PBX-Software in eine ISDN-Telefonanlage eingebunden ist, verwende ich meist VoIP für Auslandsgespräche, da dies wesentlich günstiger ist. Jetzt hat sich allerdings wieder gezeigt, dass ein vollständiger Wechsel zu VoIP/SIP nicht zu empfehlen ist. Beim Provider dus.net, der Verbindungswünsche bei voip.dus.net nach dem Karussel-Prinzip an vier Server verteilt, ging einer der Server (zelos.dus.net) mehrere Tage lang nicht - mit dem Erfolg, dass es mal klappte und mal nicht. Klar kann man dann mit einiger Forschungsarbeit einen der restlichen funktionierenden Server (z.B. helios.dus.net) fest einstellen, aber das ist wohl kaum einem Normalverbraucher zuzumuten. Seien Sie vorsichtig bei scheinbar günstigen Flatrate-Angeboten fürs Telefonieren, die in Wirklichkeit auf VoIP basieren. Wenn man das Telefon mal in einem Notfall braucht, sollte es auch wirklich funktionieren.

27.04.10 Griechenland und der Euro

EuroHans Eichel (SPD), der deutscher Finanzminister war, als Griechenland den Euro einführen durfte, sinniert heute, dass es wohl ein Fehler war, das Land in die Euro-Zone aufzunehmen. Was viele bei der Einführung des Euro auch in Deutschland befürchtet haben, tritt heute ein. Griechenland ist nur der Anfang, Portugal steht nicht viel besser da, und bei Licht betrachtet erfüllen zahlreiche andere Länder die Stabilitäts-Kriterien längst nicht mehr, Deutschland inklusive. Der Euro hat viele Vorteile - aber auch den Haken, dass man Länder nachträglich nicht mehr ausschließen kann, wenn sie sich selbst und andere in den Abgrund stürzen.

20.04.10 Ungepflegte Webseiten

Es passiert mir immer wieder, dass ich über Webseiten stolpere, die unter "Aktuelles" oder "Termine" Dinge nennen, die weit in der Vergangenheit liegen. Wenn man dann javascript:alert(document.lastModified) in die URL-Zeile des Browsers eintippt, sieht man schnell, wann die Seite zuletzt bearbeitet wurde - oft ist das Jahre her. Bei Vereinen oder gar Firmen ist das ein Armutszeugnis. Die Krönung ist oft die Nennung eines Termins wie "Versammlung am Sonntag, den 20. April" ohne Angabe des Jahres. Wer keine Zeit hat, sich um seine Webseiten zu kümmern, sollte sich vielleicht fragen, wofür er sie überhaupt braucht.

31.03.10 EU will Internet-Zensur

Nachdem sich im letzten Jahr die Koalition aus FDP, CDU und CSU durchgerungen hatte, Kinderporno-Seiten im Internet an der Quelle löschen zu lassen statt eine Zensur-Infrastruktur bei den Providern zu installieren, soll jetzt die Zensur auf dem Umweg über die EU-Kommission doch kommen. Einige Innenpolitiker der CDU, die den FDP-Vorstoß nur widerwillig akzeptierten (und vorher gemeinsam mit der SPD die Zensur bereits beschlossen hatten), lachen sich jetzt ins Fäustchen. Dass eine Zensur wirklich funktioniert, sieht man am Beispiel China: Dort gab man sich nicht mit leicht umgehbaren DNS-Filtern zufrieden, sondern blockiert inhaltsbasiert. Wer weiß, was bei uns alles gesperrt werden wird - Begehrlichkeiten gibt es jede Menge.

23.03.10 Lohnen sich Solarkollektoren?

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich 12 m² Solarkollektoren für Warmwasser-Bereitung und Heizungs-Unterstützung aufs Dach montiert. Der Heizöl-Verbrauch ist seitdem gegenüber früheren Jahren um etwa 40 Prozent zurückgegangen. Ein kleiner Teil der Einsparung ist sicher auch auf den Einbau von neuen Wärmeschutz-Gläsern in den größeren Fensterflächen zurückzuführen, aber insgesamt wurden die Erwartungen trotz des diesmal sehr schneereichen und trüben Winters übererfüllt.

HDTV07.03.10 Airbrush-Schminke für HD-TV

Beim HD-Fernsehen ist die höhere Auflösung nicht immer wirklich erwünscht. Mit ein paar kleinen Falten im Gesicht sieht man schnell älter aus, als man will und es bei Normalauflösung jemals war. Einfaches Pudern reicht nicht mehr: Airbrush-Schminke und eine software-gesteuerte automatische Unschärfe für Haut-Farbtöne schaffen Abhilfe. Man fragt sich, ob man nicht auch bei persönlichen Begegnungen mit Personen, die man als attraktiv in Erinnerung behalten möchte, eine Brille mit absichtlich falschen Dioptrien aufsetzen sollte. Und ob HD-TV mit solchen künstlichen Unschärfen überhaupt viel Sinn macht.

02.03.10 Opera ignoriert Beta-Testergebnisse

Wohl auf Druck des erst im Januar als Nachfolger von Jon von Tetzchner inthronisierten neuen Vorstandsvorsitzenden Lars Boilesen hat Opera eilig Version 10.50 des Browsers bereitgestellt, bevor sie auch nur halbwegs ausgereift war. Wochenlang hatten Beta-Tester im Opera-Blog zuvor zahlreiche Fehler und Probleme gemeldet, aber nur ein Teil davon ist in der finalen Version bereinigt. Beispielsweise ist es im Gegensatz zur Vorgängerversion nicht mehr möglich, einen eigenen Editor-Button zu definieren, weil die dafür nötige Variable %s nur eine leere Zeichenfolge statt des Dateinamens liefert, das Herunter-Scrollen in der Druckvorschau funktioniert nicht korrekt, und im Mail-Client klappt das Senden von Dateianhängen nicht. Man kann nur vermuten, dass die am 1. März eingeführte Auswahlmöglichkeit bei Windows, einen alternativen Browser statt dem (oder genauer: zusätzlich zum) Microsoft Internet Explorer zu installieren, den Opera-Vorstand veranlasste, keine Zeit mit Bugfixes zu verlieren. Kritische Kommentare dazu im Opera-Blog wurden umgehend gelöscht.

02.03.10 Vorratsdatenspeicherung verfassungswidrig

Das seit 2008 geltende Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verstößt laut dem Bundesverfassungsgericht gegen Artikel 10 Absatz 1 des Grundgesetzes und ist somit nichtig. Bereits erhobene Daten seien unverzüglich zu löschen. Mit rund 35000 Mitklägern darf ich mich über diesen Erfolg gegen das angeblich der Terror-Bekämpfung dienende Gesetz freuen. Im Innenministerium ist man allerdings bereits fieberhaft auf der Suche nach Interpretations-Spielräumen im Urteil.

22.02.10 Politik und Rundfunk verstrickt

Was schon lange vermutet worden war, spricht der scheidende ZDF-Chefredakteur Brender nun aus: Der Politik werden von ARD- und ZDF-Mitarbeitern regelmäßig Sender-Interna zugetragen. Brender spricht sogar von einem Spitzel-System wie in der früheren DDR. Parteipolitische Methodik versuche den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu durchdringen. Da braucht man sich natürlich nicht zu wundern, wenn die Politik dankbar Gebühren für PCs beschließt, gegen die der Einzelne dann nur vor den Verwaltungsgerichten vorgehen kann.

CD14.02.10 Kein Datendiebstahl?

Eine überraschende Interpretation der Vorgänge um den Kauf von CDs mit entwendeten Bankdaten aus der Schweiz durch deutsche Behörden lieferte die bayerische Justizministerin Beate Merk. In einem Beitrag des Münchner Merkur äußert sie sich zum Vorwurf der Anstiftung zur Hehlerei: "Da Daten anders als Autos oder Handys keine Sachen sind, kann man sie nicht stehlen. Und wo es keine gestohlene Ware gibt, da gibt es auch keine Hehlerei." Und weiter: "Die deutschen Steuerbehörden haben ja gerade keine Belohnung dafür versprochen, dass sich der Informant diese Bankdaten rechtswidrig beschafft; die hatte er ja schon, als er erstmals auf die Behörden zukam." Ist aber nicht genau das typisch für Diebe, die die Ware erst klauen und erst dann einem Hehler anbieten? Und ist Datendiebstahl wirklich nur ein ungerechtfertigtes Kunstwort?

01.02.10 Schluss mit Mond und Mars

US-Präsident Obama wird zum Desillusionisten. Guantanamo? Bleibt im Betrieb. Bemannte Weltraum-Missionen? Zu teuer: Die noch geplanten Shuttle-Missionen werden radikal zusammengestrichen. Die noch unter George W. Bush geplanten neuen Mond-Missionen und gar Flüge zum Mars werden gestrichen, inklusive der dazugehörigen Ares-Raketen. Das Geld wird für andere Zwecke gebraucht, beispielsweise für die - ja, auch unter Obama unverminderten und sehr teuren - Aktivitäten im Mittleren Osten. Die Belieferung der International Space Station (ISS) werden russische Sojus-Raumschiffe übernehmen. Und zum Mond fliegen als nächstes wohl die Chinesen.

12.01.09 Mehr Geld für PCs - ohne Gegenleistung

Es geht längst nicht mehr darum, ob man einen PC tatsächlich für eine bestimmte Aufgabenstellung benutzt oder nicht - dafür bezahlen muss man so oder so. Das ist bei Rundfunkgebühren längst so und gilt ab sofort auch für andere Anwendungen: Die Zentralstelle für private Überspielrechte (ZpÜ) und der Bundesverband der Computerhersteller, dem u. a. Acer, Fujitsu, HP, IBM, Medion, Samsung und Sony angehören, haben sich auf die Zahlung von Urheberrechtsabgaben auf neu verkaufte PCs geeinigt. Danach werden vom 1.1.2008 bis zum 31.12.2010 jeweils 13,65 ¤ pro PC mit eingebautem CD-/DVD-Brenner und 12,15 ¤ pro PC ohne eingebauten Brenner an die ZPÜ abgeführt. Für die Jahre 2002 und 2003 sind zusätzlich zu der bereits entrichteten Brenner-Abgabe in Höhe von 9,21 ¤ pro Computer 3,15 ¤ fällig und für 2004 bis 2007 jeweils 6,30 ¤ (zzgl. Umsatzsteuer). Wer allerdings glaubt, damit wäre der Download irgendwelcher MP3- oder Video-Dateien von Filesharing-Diensten nun endlich legal, irrt leider: Eine Gegenleistung für die Abgabe gibt es nicht. Das richtige Wort wäre deshalb wohl eher Abzocke.

Gallerie10.01.09 Bildergalerie

Es gibt auf dieser Website jetzt auch eine kleine Bildergalerie mit Fotos rund um Haus und Garten. Dass es sich an einem (meist friedlichen und wenig Wasser führenden) Fluss wie der Glonn, die hier in etwa 25 m Abstand vom Haus vorbeifließt, bisweilen auch etwas gefährlich lebt, zeigt das Hochwasser-Bild vom März 2006.

05.01.10 Unerwünschte Dreingaben

Wenn man einen neuen Computer erworben hat (in meinem Fall ein EEE-PC von Asus), ist es immer wieder furchtbar, erst mal stundenlang damit beschäftigt zu sein, Software-Dreingaben zu deinstallieren, die man überhaupt nicht braucht. Die PC-Hersteller meinen wohl, ihren Kunden einen Gefallen zu tun, indem sie jede Menge Programme ungefragt beim ersten Hochfahren installieren. Dabei wäre es doch ganz einfach, dem Benutzer die Wahl zu lassen, indem er jedes von ihm gewünschte Programm vor der Installation ankreuzen kann.

Dass sich übrigens die Windows 7 Starter Edition (die auf den meisten aktuellen Netbooks vorinstalliert ist) die Zugangs-Kennworte für Netzlaufwerke nach dem Booten nicht merkt, ist man ja schon von Windows XP Home gewohnt. Dass man aber noch nicht mal mehr den Bildschirmhintergrund verändern kann, ist nichts als Schikane.

Früher: 2009 | 2008 | 2007 | 2006