BLOGBlog 2007

17.12.07 Klima: Die Zweifler bremsen

Obwohl auch sie dem windelweichen Kompromiss der Klima-Konferenz auf Bali in letzter Minute doch noch zugestimmt haben, tun sich die USA schwer, sich zu konkreten Maßnahmen zu verpflichten. Wer hier nur auf George W. Bush schimpft, verkennt, dass in der Bevölkerung Nordamerikas Zweifel am Klimawandel weit verbreitet sind. So wird beispielsweise argumentiert, dass in einzelnen Teilen der Antarktis das Eis ja zunehme und das Verschwinden großer Eisflächen rund um den Nordpol eine ganz normale Klimaschwankung sei. Die Regierung hat diese Darstellung selbst gefördert und renommierten Wissenschaftlern, die zu anderen Ergebnissen kamen, Maulkörbe auferlegt. Wenn man sich in amerikanischen Foren und Blogs umsieht, wird eine vom Menschen verursachte Erwärmung dort auf breiter Front bestritten: In diesem Klima ist ein internationaler Konsens schwierig zu erreichen.

11.12.07 Brauchen wir jetzt IPv6?

Viele Netzwerk-Techniker reden derzeit vom Wechsel: Das "alte" Internet-Protokoll IPv4 mit seinen 32-Bit-Adressen soll durch IPv6 mit 128 Bit je Adresse ersetzt werden. Statt 4 Milliarden IP-Adressen wären damit je nach Aufteilung z.B. 65536 Subnetze mit je 20 Trillionen Adressen möglich - eine unvorstellbare Zahl. Im Jahr 2007 sind 68 % der IPv4-Adressen vergeben, 13 % für Spezialzwecke reserviert und noch 19 % frei. Diejenigen, die bereits traumhafte Umsätze mit dem Verkauf von IPv6-Routern, neuer Software und ähnlichem wittern, verbreiten Schreckens-Szenarien und raten zu baldmöglichster globaler Umrüstung - dabei ist bis heute eine wirklich praktikable Lösung für eine sanfte Migration nicht gefunden.

Die Realität sieht aber ohnehin ganz anders aus: Große US-Firmen wie General Electric, Halliburton, Intel, Ford und Xerox, aber auch die US-Armee sitzen auf riesigen /8-Blöcken mit je 16 Millionen Adressen, ohne dass sie jemals darüber Rechenschaft ablegen müssen, ob sie diese Blöcke effektiv nutzen. Auf der anderen Seite hat man Asien nur rund 9 % der IPv4-Adressen zugestanden, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung dort wohnt. Fragen muss man sich auch, ob es wirklich nötig ist, große Blöcke wie 0/8 und 127/8 mit wiederum je 16 Millionen Adressen für Spezialaufgaben zu verschwenden oder ob für "Localhost" nicht auch die Einzeladresse 127.0.0.1 reichen würde. Webserver können tausende Domains als virtuelle Hosts verwalten und brauchen dafür nur eine einzige IP-Adresse; ähnlich verhält es sich bei Mail-Servern. Bei einem wirtschaftlichen Umgang mit IPv4-Adressen ist Panikmache deshalb wohl noch auf viele Jahre unangebracht. Diese Zeit könnte man sinnvoll nutzen, um eine wirklich praktikable Migrationslösung zu finden - wenn das inzwischen 9 Jahre alte IPv6 dann überhaupt noch Stand der Technik ist.

Hochschule München02.12.07 Good bye, Dipl.-Ing.!

Als ich wieder mal auf die Webseite der Fachhochschule München geriet, an der ich Elektrotechnik bzw. Nachrichtentechnik studierte und später einige Jahre als Lehrbeauftragter für Software-Technik tätig war, musste ich feststellen, dass es sie nicht mehr gibt. Genauer: Sie nennt sich heute "University of Applied Sciences". Der bisherige Titel Diplom-Ingenieur hat ausgedient und wurde durch den in den USA und einigen anderen Ländern benutzten Titel Bachelor ersetzt, was im Englischen eigentlich "Junggeselle" bedeutet. Das Bachelor-Studium ist zeitlich und inhaltlich gegenüber dem Diplom verkürzt. Bis 2010 soll es in ganz Deutschland keine Diplome mehr geben. Dazu schrieb der Statistik-Professor Dr. Walter Krämer aus Dortmund in einem Leserbrief an die FAZ:

Unser Fachbereich hat seinen Diplom-Studiengang in dreißig Jahren mühevoller Öffentlichkeitsarbeit bei potentiellen Arbeitgebern mit großem Erfolg bekanntgemacht; die Arbeitslosenquote unserer Absolventen nähert sich null Prozent. Jetzt wirft man diese etablierte Marke einfach weg und lässt unsere höchst qualifizierten Diplom-Statistiker mit Absolventen amerikanischer Provinz-Universitäten konkurrieren. Jeder Marketing-Stratege eines privaten Wirtschaftsunternehmens, der dergleichen auch nur in Erwägung zöge, würde dafür auf der Stelle entlassen.

30.11.07 Bundesrat segnet Überwachung ab

Der Bundesrat hat heute die am 9. November vom Bundestag auf den Weg gebrachte Telekommunikations-Überwachung abgesegnet. Die für meinen Wahlkreis zuständige Abgeordnete Gerda Hasselfeldt schrieb mir auf meine Frage, ob der Bundestagsbeschluss mit dem Datenschutzrecht vereinbar sei: "Aufgerufene Webseiten werden durch die Vorratsdatenspeicherung ebenso wenig gespeichert wie alle anderen Inhalte der Verbindungen. Was für einen Zeitraum von sechs Monaten gespeichert wird, sind die sogenannten Verkehrsdaten, also etwa IP-Adressen oder Rufnummern." Na, dann sollte sie doch einfach mal ausprobieren, was genau der Unterschied zwischen http://193.99.144.80 und http://www.heise.de ist. Sehen Sie einen?

09.11.07 Quo vadis, Rechtsstaat?

Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um etwas vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
(Those who would give up essential liberty to purchase a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.)
Benjamin Franklin

Wen haben Sie in den letzten sechs Monaten angerufen oder von wem wurden Sie angerufen? Wo waren Sie dabei gerade mit Ihrem Mobiltelefon? Wem haben Sie SMS-Nachrichten oder E-Mails gesandt? Bald kann der Staat das alles nachprüfen, vertreten durch einen verbitterten Innenminister (CDU) und eine ignorante Justizministerin (SPD), in deren Augen wir alle potentielle Terroristen sind. Während das Datenschutzrecht eigentlich das Protokollieren von IP-Adressen in Provider-Logs für mehr als ein paar Tage strikt verbietet, beschloss die Große Koalition in seltener Einmütigkeit am 9. November eine Neuregelung der Telekommunikations-Überwachung, die eine Vorratsdatenspeicherung für sechs Monate fordert. Parlamentarier werden von der Überwachung selbstverständlich ausgenommen - Ärzte, Journalisten und Anwälte dagegen nicht.

26.10.07 Google bestraft Link-Verkauf

Der Google-Pagerank von Verlags-Webseiten wie washingtonpost.com, forbes.com, zeit.de, golem.de, netzeitung.de und vielen anderen, aber auch der vieler Produkt-Suchmaschinen und Preisvergleichs-Seiten, ist urplötzlich und unerwartet um zwei Stufen gefallen, meist von 6 auf 4. Was war passiert? - Die genannten Seiten bieten Links zum Kauf an: Für Geld bekommt man einen Link zur eigenen Seite, um deren Pagerank zu erhöhen und sich so bei den angezeigten Suchergebnissen nach vorne zu drängeln. Der Pagerank, der basierend auf der Zahl gegenseitiger Verlinkungen eigentlich als Qualitätskriterium dienen sollte, wird durch gekaufte Links natürlich ad absurdum geführt. Unklar ist noch, ob solche Kauf-Links von Google automatisch erkannt oder manuell eingefüttert werden. Das Gezeter bei den betroffenen Webseiten ist jedenfalls groß - aber andererseits wurde es höchste Zeit, etwas gegen einen solchen Link-Missbrauch zu unternehmen.

Himalayah DRM/DAB11.10.07 DRM und DAB: Digital-Radio

Mittlerweile gibt es halbwegs erschwingliche Radios mit DRM (Digital Radio Mondiale für LW/MW/KW) und DAB (Digital Audio Broadcast für VHF/UHF) im Handel, oft basierend auf dem Radioscape-Modul RS500. Beispiele sind ein Gerät des englischen Herstellers Morphy Richards sowie das Himalaya DRM 2009 von Roberts/Sangean. Zeitversetzte Wiedergabe, Aufnahme auf SD-Speicherkarte, MP3-Wiedergabe und USB-Anschluss sind bei ihnen Standard. Die Wiedergabequalität ist im Vergleich zu AM oder FM erstklassig.

Fragt sich nur: Warum setzen sich DRM und DAB nicht schneller durch, obwohl es doch genug digitale Sender gibt? Ganz einfach: Weil im Gegensatz zur Einführung von DVB-T die bisherigen analogen Sender weiter existieren. Der Mehrwert einiger nur digital verfügbarer Radio-Programme ist für viele Hörer einfach zu gering, um die Anschaffung neuer Geräte zu rechtfertigen. Sie haben sich nun mal an das Rauschen bei FM-Stereo und den dumpfen AM-Klang mit Interferenz-Pfeiftönen gewöhnt. Für die Öko-Bilanz wäre das Digitalradio dagegen ein Vorteil, weil dafür weit weniger als ein Zehntel der bisher typischen 100 kW je Sender benötigt wird. Wo bleibt der Protest derjenigen, die gegen Mobilfunkmasten zu Felde ziehen, gegen die zehntausend Mal stärker strahlenden veralteten Analog-Rundfunksender?

05.10.07 Richtungsweisendes aus Hessen

Die "Medienpolitische Kommission Hessen" hat unter Federführung der hessischen Industrie- und Handelskammern und unter Mitwirkung der Fachanwältin Petra Marwitz (die Ende März 2006 bereits die Verfassungsklage gegen Rundfunkgebühren für PCs eingereicht hat) ein wohl richtungsweisendes Modell einer zukünftigen Rundfunk-Finanzierung entwickelt. Statt einer gerätebezogenen Abgabe, die angesichts der heutigen Medien-Kongruenz längst nicht mehr zeitgemäß ist, sollten danach schlicht und einfach alle Wahlberechtigten Gebühren entrichten. Das Modell wäre aufkommensneutral und hätte den Vorteil, dass auf die GEZ-Schnüffelei und die dafür aufgewendeten Kosten verzichtet werden könnte. Die Antwort des Hessischen Rundfunks ließ nicht lange auf sich warten: Intendant Reitze will nicht hinnehmen, dass pro Kopf nur eine Gebühr fällig sein soll, und möchte Gewerbebetriebe weiterhin zusätzlich abkassieren - obwohl die allermeisten, die dort arbeiten, privat ohnehin bereits zahlen. Dabei sind Radio und TV doch ein Privatvergnügen der Konsumenten und nicht etwa eine betriebliche Sozialaufgabe!

Sonnenflecken-Zyklus24.09.07 Sonnenflecken-Minimum

Zur Zeit durchschreiten wir ein Minimum des elfjährigen Sonnenflecken-Zyklus. Bereits seit Wochen ist kein einziger Sonnenfleck zu sehen. Für Funkamateure ist das ein tiefes Tal der "Tränen", denn die Ausbreitung auf Kurzwelle ist durch die nur geringe Ionisierung der reflektierenden Ionosphäre stark beeinträchtigt. Mit einer guten Antenne lässt sich das ein wenig ausgleichen, aber dennoch funktionieren interkontinentale Verbindungen auch damit nur mühsam und unregelmäßig. Es wird wohl noch einige Monate dauern, bis sich dieser Zustand allmählich wieder bessert. Dass auf Schiffen mittlerweile konsequent Satellitenfunk statt Kurzwelle eingesetzt wird, versteht man während des Sonnenflecken-Minimums besonders gut.

11.09.07 Gebührenhunger rechtens

Das Bundesverfassungsgericht hat mit heutigem Urteil der Klage der Rundfunkanstalten stattgegeben: Laut Urteilsbegründung hätten die Ministerpräsidenten die von der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs) für 2005 vorgeschlagene Erhöhung der Rundfunkgebühren um 1,09 Euro nicht einfach auf 88 Cent kürzen dürfen. Die Politiker hatten damals allerdings auch Gebühren auf PCs beschlossen - sozusagen als Trostpflaster für die geringer ausgefallene Erhöhung. Wetten, dass die nun für 2009 geplante nächste Gebühren-Runde daran nichts ändern wird?

24.08.07 GEZ mahnt Webseite ab

Die Gebühreneinzugszentrale der Rundfunkanstalten (GEZ) hat dem Betreiber der Webseite akademie.de, wo Tipps für das Verhalten bei der Anmeldung von PCs (im GEZ-Jargon "neuartige Rundfunkgeräte") angeboten wurden, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zugestellt. Darin wird u. a. das Ersetzen von rund 30 Begriffen durch GEZ-genehme Formulierungen gefordert, beispielsweise "gesetzliche Rundfunkgebühren für neuartige Rundfunkempfangsgeräte" statt "PC-Gebühren". Für jeden weiterhin verwendeten unliebsamen Ausdruck wird eine Strafe von je 5100 Euro angedroht. Es zeigt sich, dass sich die GEZ um ihr Ansehen Sorgen macht, seit auch Geräte wie PCs oder Smartphones eine Gebührenpflicht begründen, obwohl sie kaum jemals für diesen Verwendungszweck angeschafft werden.

Gleichzeitig zeigt die Politik aber leider keinerlei Interesse mehr, die vor zehn Monaten zum Jahresende 2007 versprochene Neuregelung der bisher gerätebezogenen Rundfunkgebühren in die Tat umzusetzen: Vorsichtige Vorstöße werden bereits im Vorfeld zerredet. Man brauchte kein Pessimist zu sein, um das damals schon vorherzusehen.

Server12.08.07 Patentamt: PC mit Festplatte ist Videorecorder

"PC mit eingebauter Festplatte sind erkennbar dazu bestimmt, Fernsehfilme zum privaten Gebrauch zu vervielfältigen", heißt es in einem Einigungsvorschlag der Schiedsstelle des Deutschen Patent- und Markenamts: Für jeden verkauften PC mit Festplatte seien deshalb 15 Euro als urheberrechtliche Vergütung angemessen. Ich habe mit keinem PC jemals einen Fernsehfilm wiedergegeben, aufgezeichnet oder vervielfältigt, weder im Büro noch privat, und ich höre auch kein Radio damit. Aber irgendwie ist der Vorschlag ja konsequent, nachdem für betrieblich genutzte PCs auch schon Rundfunkgebühren gezahlt werden müssen. Die tatsächliche Nutzung ist offensichtlich vollig egal, wenn es um die Erschließung neuer Gebührenquellen geht.

03.08.07 Spam mit neuen Methoden

Nachdem die Spammer in den letzten Monaten immer mehr Probleme hatten, Filter zu überwinden, greifen sie jetzt zu neuen Methoden. Aktien-Spam wird als unscheinbare ZIP-Datei ohne Begleittext versandt, die wahlweise eine Text-, Excel- oder PDF-Datei enthält. Inhaltsbasierte Filter haben damit ihre Probleme, und selbst Greylisting ist für einige Bot-Netze kein Problem: Der dafür nötige Zweitversuch der Zustellung erfolgt nach exakt zehn Minuten. Der Wettlauf der Spammer mit Antispam-Filtern nimmt kein Ende.

16.07.07 Mobiltelefon als Wanze?

Der Spiegel schrieb es, und andere Magazine schrieben es ungeprüft ab: Die Polizei könne Mobiltelefone abhören, indem sie deren Software so umprogrammiert, dass sie auch im vermeintlich abgeschalteten Zustand als Wanzen arbeiten. Wer sich nur ein wenig mit Mobilfunktechnik auskennt, weiß: Es gibt nicht nur sehr unterschiedliche Typen von Mobiltelefonen, sondern sie verwenden auch sehr unterschiedliche, hersteller- und hardware-spezifische Software. Einfach mal austauschen ist also nicht, selbst wenn man ein Gerät physisch auf dem Labortisch liegen hat. Die Software ist zudem Closed Source, sie müßte von den Kriminalern also erst mühsam disassembliert und analysiert werden, und das für jeden Gerätetyp getrennt. Die Presse schreibt nebulös auch vom Einschleusen neuer Software per Bluetooth oder Klingelton-Trojaner, als ob die Geräte dafür vom Hersteller vorbereitet wären. Das erinnert fatal an die unsägliche Bundestrojaner-Debatte: Viel Wind um nichts - auch wenn es ganz gut zur Debatte um völlig überzogene Überwachungs-Forderungen eines verbitterten Innenministers passt.

10.07.07 Die 0180-Abzocke

Als Telefongespräche noch astronomisch teuer waren, wurden 0180-Nummern als "Shared Cost"-Lösung eingeführt: Der Anrufer trägt nur einen Teil der Verbindungskosten, der Angerufene den Rest. Inzwischen sind die Kosten für Nah- und Ferngespräche drastisch gefallen, und zwar weit unter die 0180-Minutenpreise. Das ermöglichte es den Providern sogar, den Anschluss-Inhabern keine Gebühren mehr abzuknöpfen, sondern sie im Gegenteil wie bei 0900-Nummern mit Ausschüttungen zu beglücken - eine Perversion des Shared-Cost-Gedankens. Die Bundesnetzagentur hat jetzt die Provider gebeten, bis September 2007 Vorschläge zu unterbreiten, wie man den Service der Realität anpassen kann - auch vor dem Hintergrund, dass die heute verbreiteten Telefonie-Flatrates 0180-Verbindungen leider nicht einschließen: Viele Verbraucher wären froh, wenn Quelle, Neckermann und Co. unter einer ganz normalen Ortsrufnummer statt per 0180-Abzocke erreichbar wären.

04.07.07 Gewinnbeteiligung statt Streik

In einem längst eingespielten Ritual versuchen Gewerkschaften, die Erwartungen der ihnen noch verbliebenen Mitglieder überzuerfüllen, indem sie Forderungen jenseits jeder Realität stellen - wie jüngst die Lokführer. Deren Argument lautet, die Bahn mache wieder Gewinn, und deshalb seien bis zu 31 % mehr Lohn gerechtfertigt. Wenn allerdings später die Gewinne mal nachlassen, denkt kein Gewerkschafts-Boss freiwillig über eine Lohnminderung nach. Dabei wäre eine Gewinnbeteiligung der Beschäftigten für alle eine gute Lösung. Nur ist die Politik gerade dabei, genau diese Idee wie üblich zu zerreden. Ein Jammer.

EU19.06.07 EU-Verfassung aufgewärmt

Nachdem sich die Bevölkerung mehrerer EU-Staaten in den wenigen Fällen, in denen man es ihr erlaubte, in Abstimmungen klar gegen eine europäische Verfassung ausgesprochen hatte, sucht die Politik jetzt nach neuen Wegen, etwas Ähnliches doch noch durchzudrücken - und sei es unter einem unverfänglicheren Namen wie etwa schlicht "Vertrag". Währenddessen will das neue Mitglied Polen mit der Quadratwurzel revolutionäre Methoden zur Berechnung von Abstimmungs-Mehrheiten in Europa einführen: Polen würde demnach mit gut 38 Millionen Bürgern 6172 Stimmen erhalten, das mit über 82 Millionen mehr als doppelt so große Deutschland 9082 Stimmen. Möglicherweise war die Aufnahme einiger neuer Länder, in die jetzt Millionen an Steuergeldern auch aus Deutschland fließen, voreilig und unüberlegt.

09.06.07 Klima-Einigung

Das überschwenglich als Einigung bezeichnete Abschlussdokument zum Klimaschutz beim G-8-Gipfel in Heiligendamm ist nach einem Zeitungsbericht erst zustande gekommen, nachdem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush mit einer vorzeitigen Abreise gedroht hatte. Die Europäer schafften es allerdings lediglich, die von Bush fürs Protokoll vorgeschlagene Formulierung, man wolle die Halbierung des Treibhausgas-Ausstoßes "in Betracht ziehen", in "ernsthaft in Betracht ziehen" zu ändern. Ansonsten einigte man sich nur, die Diskussion Ende 2007 in Bali fortzusetzen. Man muss schon unverbesserlicher Optimist sein, um anzunehmen, dass dort dann etwas Brauchbares herauskommt, solange alle nur danach handeln, was der kleinste gemeinsame Nenner hergibt.

02.06.07 Spam-König verhaftet

Er war einer der zehn schlimmsten Spammer: Robert Soloway, der mindestens seit 2001 Spam in großem Stil versandte und Firmen seine Dienste wertneutral als "Internet-Marketing" anbot, wurde diese Woche in den USA verhaftet. Er muss nun wegen Betrugs, Geldwäsche und Identitäts-Diebstahl mit einer langjährigen Haft rechnen. Die Mail-Adressen beschaffte er sich überwiegend durch Abgrasen von Webseiten (sog. Harvesting), der Versand erfolgte in letzter Zeit vornehmlich über tausende Zombie-PCs - das sind Rechner, deren Besitzer sich unvorsichtigerweise eine Trojaner-Software installierten, die dann Spammern als Mail-Relais dient. Trotz der Verhaftung von Soloway ist jedoch kein merklicher Spam-Rückgang festzustellen; im Gegenteil hat sich die Menge der täglichen Spam-Mails innerhalb der letzten drei Monate etwa vervierfacht. Insbesondere der Aktien-Spam, mit dem versucht wird, die Kurse von Penny-Stocks in die Höhe zu treiben, um damit Gewinn zu machen, hatte daran maßgeblichen Anteil; auffallend ist hierbei auch, dass durch ein Retry nach exakt 10 Minuten sogar das als Anti-Spam-Maßnahme sonst sehr effektive Greylisting ausgehebelt wird.

Dennoch sind die Spammer nicht die einzigen, die die Schuld an den massenhaften Werbe-Mails tragen: Wer seine Mail-Adresse als HTML-Text im Web veröffentlicht, spielt Adressen-Harvestern in die Hände. Wer auf seinem PC keine ausreichenden Maßnahmen gegen Viren und Trojaner ergreift, wird von Spammern ohne sein Wissen als Mail-Relais missbraucht. Und vor allem: Wer Produkte von Spammern kauft (und das tun leider noch viel zu viele), hilft mit, dass Spam als Geschäftsmodell weiterlebt.

James Randi22.05.07 Eine leicht verdiente Million

Es gibt eine ganze Menge Leute, die von sich sagen, sie würden mit einer Wünschelrute Wasseradern finden, das elektromagnetische Feld eines Mobilfunkmastes spüren oder allein mit der Kraft ihres Geistes Löffel verbiegen können. James Randi hat vor zehn Jahren eine Million US-Dollar für denjenigen ausgeschrieben, der ein physikalisch nicht erklärbares Phänomen unter kontrollierten Bedingungen zeigen kann. Hunderte von Bewerbungen gab es, leider scheiterten aber alle an der reproduzierbaren Beweisbarkeit.

Jetzt hat James Randi, inzwischen 79 Jahre alt, die Bedingungen etwas verschärft, um nicht ganz soviel Zeit sinnlos zu vergeuden: Man muss jetzt eine schriftliche akademische Empfehlung und eine Veröffentlichung vorweisen, um teilnehmen zu können. Das wird die Zahl der Bewerber sicher etwas mindern. Aber für den, der wirklich etwas Paranormales kann, wäre es immer noch eine sehr leicht verdiente Million. Also nur Mut! Übrigens: Randi trat in seiner Jugend als Zauberer auf. Allerdings brauchte er dafür nur ganz normale Tricks und keine paranormalen Fähigkeiten.

06.05.07 Hat unser Schulsystem versagt?

Vor wenigen Tagen berichtete die Wirtschaftswoche, dass in Deutschland selbst Manager oft über ungenügende Rechtschreib-Kenntnisse verfügen. Sie kennen nicht den Unterschied von dass und das, tippen weis statt weiß oder gehen mit Kommas um, als würde jedes einen Euro extra kosten. Hat die herkömmliche Schule versagt?

Sogenannte Freie Aktive Schulen schießen derzeit überall wie Pilze aus dem Boden - staatlich zwar genehmigt, aber nicht anerkannt. Sie lehnen das herkömmliche Klassensystem ab und bieten den Kindern "selbstbestimmtes Lernen", das vom Lehrer nur auf Wunsch unterstützt wird: Ist das die Lösung? Sie sagen zwar, gern auch Migranten-Kinder aufnehmen zu wollen, aber - Absicht oder nicht - schon wegen der Schulgebühren haben ausländische Kinder dort Seltenheitswert. Ein Übertritt an weiterführende Schulen ist nur nach einem Zusatzunterricht möglich. Anerkannte Erziehungs-Wissenschaftler wie Prof. Inge Gogolin oder Prof. Ingo Richter raten von solchen Schulen ab; es sei für das Sozialverhalten der Kinder viel besser, mit den Nachbarschafts-Kindern in eine gemeinsame Schule zu gehen, statt sich als 2-%-Elite zu fühlen.

Für eine bessere Allgemeinbildung würde es wohl eher helfen, wenn Kinder mehr lesen - egal ob Bücher oder redaktionell erstellte Internet-Seiten. Statt dessen per Joystick vermeintliche Feinde auf dem Bildschirm abzuknallen, dürfte eher kontraproduktiv sein.

04.05.07 Mail-Signatur: Link zum Impressum

Durch das "Gesetz über elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister" (EHUG) wurde am 1. Januar 2007 klargestellt, dass in Geschäftsbriefen jedweder Form - also auch in E-Mails - eine Signatur mit Angaben wie Rechtsform der Firma, Firmeninhaber bzw. Geschäftsführer, Handelsregister-Nummer und so weiter eingefügt werden muss. Diese Signatur wird aber leider oft länger als der eigentliche Mail-Inhalt, was E-Mails insbesondere bei volumentarifierten Diensten wie GPRS oder Satelliten-Mails erheblich teurer macht und auch sonst nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit beiträgt.

Der Gedanke ist deshalb naheliegend, die umfangreichen Pflichtangaben auf eine Webseite zu stellen und in der Mail-Signatur lediglich einen Link dorthin aufzunehmen. Nun waren allerdings schnell Rechtsanwälte und andere kluge Menschen zur Stelle, die - ohne dass es dafür im Gesetz einen konkreten Anhaltspunkt gäbe - den klugen Rat gaben, ein solcher Link sei keinesfalls ausreichend. Man erkennt schnell, dass diese Meinung größtenteils unreflektiert gegenseitig abgeschrieben wurde, teilweise sogar wörtlich. Dabei ist die Annahme, dass jemand, der E-Mails empfangen kann, meist auch über einen Zugang zum Web verfügt, nicht völlig von der Hand zu weisen. Deshalb wird sich ein Abmahner wohl kaum auf eine wenig aussichtsreiche und langwierige Auseinandersetzung einlassen, nur um zu erwirken, dass jemand anderer statt eines Links die Pflichtangaben vollständig in die Signatur schreibt. Im Gegenteil hat der Bundesgerichtshof am 20. Juli 2006 mit Az. I ZR 228/03 entschieden, dass Besuchern einer Webseite sogar zwei Link-Klicks zugemutet werden können, um von der Startseite aus das Impressum zu finden. Warum sollte dann für E-Mails ein einziger Klick nicht zumutbar sein?

IC-70325.04.07 Amateurfunk - (fast) weltweit

Noch vor wenigen Wochen hatte ich via Kurzwelle regelmäßig Kontakt mit Irakern. Inzwischen wurden Amateurfunk-Aktivitäten in diesem Land von der dortigen Regierung untersagt - angeblich aus Sicherheitsgründen. Das ist insofern merkwürdig, da Terroristen oder die, die man dafür hält, sich von einem Funk-Verbot wohl kaum beeindrucken lassen. Verstehen könnte man allenfalls die Befürchtung, dass Informationen über die inzwischen chaotischen Zustände im Land unzensiert nach außen dringen.

Erfreulich sind dagegen Kontakte mit dem ehemaligen Kosmonauten Aleksandr Volkow, der ebenfalls Funkamateur ist und sein Rufzeichen U4MIR auch nach der Rückkehr von der inzwischen versenkten legendären Raumstation MIR behalten durfte. Als er zu ihr flog, tat er das als Bürger der Sowjetunion. Als er nach fünf Monaten im März 1992 zurückkehrte, gab es keine Sowjetunion mehr. Heute lebt Aleksandr im sogenannten Sternen-Städtchen bei Moskau.

14.04.07 Ohne Gebührenbescheid keine Zahlung

Drei Monate nach pflichtgemäßer Anmeldung eines PC bei der GEZ sendet die Gebühreneinzugszentrale statt eines rechtmäßigen Bescheides erneut lediglich einen Kontoauszug, Kontostand: -16.56 Euro. Meine Antwort: "Nach wie vor liegt uns kein rechtsgültiger Gebührenbescheid vor. ... Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass eine Gebührenpflicht für Computer, die definitiv nicht für den Empfang von Rundfunksendungen benutzt werden, ungerechtfertigt und unrechtmäßig ist. Wegen der derzeit anhängigen diesbezüglichen Verfassungsbeschwerde werden wir - wenn überhaupt - eine Zahlung dann bestenfalls unter Vorbehalt leisten."

11.04.07 Online-Durchsuchung: Geister-Debatte

Manche Politiker halten die heimliche Online-Durchsuchung von PCs für unbedingt nötig, aber keiner weiß bisher, wie sie jemals funktionieren soll: Wer installiert sich denn schon freiwillig einen Trojaner? Auf eine entsprechende Anfrage der FDP-Fraktion ließ das Bundesinnenministerium nun verlauten, die technische Umsetzbarkeit werde derzeit noch geprüft; einen Missbrauch der Schnüffel-Software durch Dritte, etwa zur Wirtschafts-Spionage, schliesse man "weitestgehend" aus. Gisela Piltz (FDP) resümiert: "Der Bundesregierung fehlt offenbar jede genaue Vorstellung davon, wie Online-Durchsuchungen vom Bundeskriminalamt durchgeführt werden sollen." Das hindert Wolfgang Schäuble (CDU) und Dieter Wiefelspütz (SPD) allerdings keineswegs daran, solche heimlichen Durchsuchungen weiterhin lautstark zu fordern, auch wenn sowohl die Rechtmäßigkeit als auch die Durchführbarkeit äußerst fraglich sind - eine Geisterdebatte.

24.03.07 Rauchfrei essen

Manch einer freut sich jetzt schon auf den 1. Januar 2008. Dann wird es nämlich in vielen deutschen Restaurants endlich möglich sein, ein gutes Essen ohne Tabakrauch-Beigeschmack zu genießen - wie das in anderen Ländern längst selbstverständlich ist und auch akzeptiert wird. Auch die Kleidung riecht dann hinterher nicht mehr tagelang geräuchert. Abzuwarten bleibt, wie das beispielsweise bei Stammtischen funktioniert, bei denen die eine Hälfte der Teilnehmer raucht und die andere nicht: Wird der Stammtisch in der Mitte durchgesägt und eine Hälfte ins luftdicht abgetrennte Raucher-Nebenzimmer gestellt? Oder ignorieren die Besucher die neue Vorschrift einfach, wie sie es auf angeblich rauchfreien Bahnhöfen seit langem tun?

Tornado16.03.07 Bundeswehr-Soldaten warnen

In einem offenen Brief fordern mehrere ranghohe Soldaten der Bundeswehr - organisiert im Arbeitskreis Darmstädter Signal - die Abgeordneten des Deutschen Bundestages nachdrücklich auf, auch einem zeitlich begrenzten Einsatz von Recce-Tornados in Afghanistan nicht zuzustimmen. Sie schreiben: "Diese neue Qualität des deutschen Engagements bindet und zieht uns immer tiefer in das Kampfgeschehen ein; Forderungen nach dem Einsatz deutscher Bodentruppen - aus Solidarität - im Süden und Osten werden folgen. Stattdessen sollten wir in Kooperation mit den anderen NATO-Ländern mit der Planung des schrittweisen Abbaus der Truppen beginnen." Eine wohl nicht völlig abwegige Überlegung.

02.03.07 Amerikanisch-konservatives Lexikon

Mit Conservapedia.com will sich eine christlich-konservative US-Alternative zu Wikipedia etablieren. So findet sich dort zum Stichwort Nationalismus auch nicht etwa wie bei Wikipedia eine kritische Auseinandersetzung zum Thema - das würde ja auch kaum zum allgegenwärtigen "Proud to be American" (Stolz, amerikanisch zu sein) passen - sondern folgendes (übersetzt): "Nationalismus ist ein Einigkeits-Gefühl einer Gruppe von Leuten als Stolz auf ihr Land. Ein Mangel an Nationalismus, oder der Wunsch nach neuen Nationen, war ein Grund für den Zerfall von Ländern wie Jugoslawien oder Österreich-Ungarn." Diese Definition von Nationalismus klingt für einen Deutschen oder Europäer, vorsichtig formuliert, schon ziemlich überraschend. Aber es kommt noch besser: Wer nach "Evolution" sucht, muss zu seiner Überraschung lesen, dass es sie gar nicht geben kann, da sie das zweite Gesetz der Thermodynamik verletzen würde. Das könnte einem ja noch ein gequältes Lächeln entlocken, wenn es nicht viele US-Amerikaner tatsächlich glauben würden...

Lampe24.02.07 Klima: Es ist fünf vor zwölf

Die Zukunft des Weltklimas hängt davon ab, ob Industrie- und Entwicklungsländer sich bis 2010 auf eine gemeinsame Strategie einigen können, den Ausstoß an Treibhausgasen bis zur Mitte des Jahrhunderts zu halbieren, sagt der Generalsekretär der UN-Klimakonvention, Yvo de Boer. Ein paar Prozentchen weniger CO2 reichen also leider nicht, ein grundsätzliches Umdenken ist nötig. Muss ein Geschäftsmann wirklich jedesmal in die USA fliegen, um mit einem dortigen Kunden ein paar Worte zu wechseln - reicht nicht auch mal ein Videogespräch oder eine Konferenzschaltung? Wie sinnvoll ist es, mit einem Aktenkoffer als einzigem Gepäck im Auto von Frankfurt nach München und zurück zu fahren, wenn man doch ganz bequem im ICE reisen könnte? Und: Ist es sinnvoll, für eine reine Bürotätigkeit täglich zu einem Dutzende Kilometer entfernten Arbeitsplatz und zurück zu fahren, nur um dort ein paar Papierstapel von einem Korb in den anderen zu legen oder um unter einer bestimmten Telefonnummer erreichbar zu sein? Der etwas weniger provokative Austausch von Glühbirnen durch modernere Leuchtmittel kann auch schon ein wenig bewirken - allein reicht das aber leider nicht.

13.02.07 Die GEZ meldet sich

Nach meinem Widerspruch vom 19.01.07 wegen einer möglichen Verfassungswidrigkeit von Rundfunkgebühren für PCs und Mobiltelefone schreibt die GEZ nun, dass für sie eine Verfassungswidrigkeit nicht erkennbar sei (wen wundert's) und deshalb ein Ruhenlassen der Gebühren-Forderung nicht in Frage kommt. Mehr noch, sie erkennt auch einen Zahlungsvorbehalt nicht an - mit anderen Worten, sie weigert sich, gezahlte Gebühren in dem Fall zu erstatten, wenn sich nachträglich die Verfassungswidrigkeit herausstellt. Im neuen GEZ-Schreiben fehlte ferner erneut die nach  § 58 VwGO vorgeschriebene Rechtsbehelfsbelehrung. Man sitzt dort offenbar auf einem sehr hohen Ross. Aber egal: Ohne richtigen Bescheid wird nicht gezahlt, und auch dann nur unter Rechtsvorbehalt. Was man so hört, erstellt die GEZ einen solchen Bescheid erst mit der ersten Mahnung - ein sehr merkwürdiges Vorgehen.

31.01.07 Verbotene Worte

George Orwell zeichnete in seinem bereits 1949 erschienenen Roman "1984" das düstere Bild eines totalitären Staates, in dem die von unerwünschten Worten befreite Sprache "Neusprech" benutzt wird. Man fühlt sich ein wenig an diesen Klassiker erinnert, wenn man dieser Tage liest: Zahlreiche US-Wissenschaftler wurden laut einem dem Kongress vorliegenden Bericht systematisch unter Druck gesetzt. Sie wurden gedrängt, Begriffe wie "Klimawandel" oder "Erderwärmung" aus ihren Texten zu entfernen. Fast die Hälfte von mehr als 300 befragten Klimaforschern, die für US-Behörden arbeiteten, berichteten über solche Manipulationsversuche in den letzten fünf Jahren. Auch ihre Kontakte zu Medien seien reglementiert worden.

19.01.07 GEZ-Widerspruch

GEZNach Neujahr hatte ich ein "neuartiges Rundfunkgerät" (sprich: PC) bei der GEZ online angemeldet, um keine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Nun wurde mir eine Teilnehmernummer sowie die Höhe der Rundfunkgebühren von 5,52 Euro je Monat mitgeteilt. Meine Antwort: "Der uns zugestellte Gebührenbescheid ist leider ungültig. Der Bescheid muss nach § 58 VwGO (Verwaltungsgerichts-Ordnung) eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten, bis wann, wo und bei wem Widerspruch bzw. Klage erhoben werden kann. Unabhängig davon legen wir bereits jetzt Widerspruch gegen den Bescheid ein. Die von uns benutzten Computer werden nicht als so genannte 'neuartige Rundfunkgeräte' verwendet. Sie dienen der täglichen Arbeit und nicht dem Konsumieren von Rundfunkdarbietungen. Den Mitarbeitern ist das private Internet-Surfen am Arbeitsplatz explizit untersagt, was auch die Wiedergabe von Rundfunksendungen einschließt. Nach Meinung vieler Rechtsexperten ist die Erhebung von Rundfunkgebühren auf Multifunktionsgeräte wie PCs ohnehin verfassungswidrig. Wir verweisen hierzu auf die beim Bundesverfassungsgericht anhängige Verfassungsbeschwerde mit Aktenzeichen 1 BvR 829/06 und schlagen deshalb vor, die Zahlung der Gebühren bis zur endgültigen rechtlichen Klärung der Problematik auszusetzen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, so teilen Sie uns dieses bitte mit und senden Sie uns ferner auch einen korrekt ausgestellten Bescheid mit Nennung der Widerspruchs-Möglichkeiten entsprechend § 58 VwGO..." Warten wir also mal ab.

11.01.07 Steuergelder für Trojaner-Entwicklung

Mindestens 200.000 Euro will die Bundesregierung in die Entwicklung eines Trojaners investieren, mit dem heimlich die Computer Verdächtiger infiziert werden sollen, um ihre Festplatte ferngesteuert analysieren zu können. Diese sogenannte Online-Durchsuchung setzt allerdings voraus, dass die Betroffenen diesen "Bundes-Trojaner" selbst installieren. Zwar gibt es genügend Gutgläubige, die noch Outlook als Mail-Programm und den Internet-Explorer als Internet-Browser einsetzen, bei denen die Einschleusung von Spyware regelmäßig auch ohne aktive Mitwirkung des Benutzers möglich ist; ob dazu allerdings auch die ins Auge gefasste Zielgruppe des organisierten Verbrechens gehört, ist wohl eher fraglich.

10.01.07 Foxit- statt Adobe-Reader

Nachdem der Adobe-PDF-Reader 7.0 etliche Sicherheitslücken aufwies und die Nachfolgeversion 8.0 ein noch größeres Ungetüm mit einer Unzahl von mir nie benutzter Funktionen wurde, habe ich mir die aktuelle Version 2.0 des PDF-Readers von Foxit Software angesehen. Und siehe da: Die im Juli 2006 bei einer früheren Version beobachteten Probleme mit dem Online-Ticket der Bahn sind nun behoben, der flotte Foxit-Reader ist eine wirklich brauchbare Alternative geworden.

03.01.07 Teures neues Jahr

Das Gute vorneweg: Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sanken am 1. Januar von 6,5 % auf 4,2 %, die Renten wurden großzügig um 0,3 % erhöht, und wer eine Geburt bis nach Sylvester hinauszögern konnte, erhält zur Belohnung ein Elterngeld von 67 % des vorherigen Nettolohns.

19 %
Mwst.

Nun zu den schlechten Nachrichten: Die Mehrwertsteuer für die meisten Waren und Dienstleistungen stieg am 1. Januar von 16 % auf 19 %, ebenso die Versicherungssteuer. Je nach Kasse sind auch die Krankenversicherungs-Beiträge höher als im letzten Jahr, die Pflichtgrenze stieg auf 3975 Euro je Monat. Der Sparerfreibetrag wird nahezu halbiert, der Spitzensteuersatz steigt auf 45 %, die Pendler-Pauschale gibt es nur noch ab dem 21. Kilometer; bis zum 34. Kilometer ist es meist günstiger, den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 Euro zu verwenden (immerhin gelten die Regelungen nun auch für öffentliche Verkehrsmittel). Ein Arbeitszimmer ist nur noch absetzbar, wenn es den "Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit" darstellt. Regionalzüge werden um 3,9 % und Intercity-Verbindungen um 5,6 % teurer.

Und Computer fallen als "neuartige Rundfunkempfänger" nun unter die Rundfunk-Gebührenpflicht: Beispielsweise fallen für Handwerker oder Freiberufler für den gewerblich genutzten PC zusätzlich zu privat bereits bezahlten Gebühren weitere 5,52 Euro an. Wer die GEZ-Anmeldung nicht bis zum 31. Januar vornimmt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Zahlen sollte man allerdings wegen der anhängigen Verfassungsbeschwerde nur unter Vorbehalt.

Früher: 2006

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